Der Labradoodle


1989 verpaarte der Australier Wally Conran einen Labrador Retriever und einen Pudel. Ziel: einen Blindenhund für Menschen zu erhalten, die auf Hundefell allergisch reagieren (Pudel haaren nicht). Der Ansatz war erfolgreich. Obwohl nicht alle so gezüchteten Hunde antiallergisch sind (Vererbungslehre), wurde der Labradoodle populär. Heute werden weltweit unterschiedliche Linien gezüchtet:

Labrador Retriever + Pudel = Labradoodle F1
Labradoodle F1 + Pudel = Labradoodle F1B
Labradoodle F1 + Labradoodle F1 = Labradoodle F2
F1 Labradoodle + F1B Labradoodle = Labradoodle F2B
F1B Labradoodle + F1B Labradoodle = 1.Generation Multigen Labradoodle
Labradoodle + Goldendoodle = Doubledoodle

Zum Labradoodle/Goldendoodle ist mittlerweile allerhand informatives im world-wide-web zu finden.


Im Nachgang möchte ich gerne ein Interview einstellen, welches Joshua D., Schüler einer Abiturklasse in Bamberg im Zuge einer Arbeit zum Thema "Hybriden" im November 2016 mit mir geführt hat:

 

 

1.Frau Altmann, was halten Sie von der Bezeichnung „Designerhund“?

 

Ich persönlich bin kein Freund von der Bezeichnung "Designerhund". Mit dem Begriff "Design" verbinden wir Menschen oft etwas modernes, häufig auch kurzlebiges, auf den Geschmack der jeweiligen Kultur hin ausgerichtetes.

Im Zusammenhang mit dem Thema Hundezucht sehe ich den Begriff "Designerhund" eher despektierlich.

Mir geht es beim Züchten im Gegenteil darum, wegzugehen von Standartisierungen und mich im Interesse von Gesundheit und Wesensfestigkeit, zu distanzieren von dem, was aktuell Mode ist.

Die Optik eines Hundes ist mir dabei nicht unwesentlich, spielt für mich aber eher eine Nebenrolle.

 

2.Wie kamen Sie auf die Hybridzucht und wieso haben Sie sich dafür entschieden?

 

Eigentlich war es nicht mein Plan, Labradoodles zu züchten. Unser erster Wurf waren Labradore und dabei wollte ich auch bleiben.

Mehrere unserer Welpen aus dem A-Wurf waren für die Ausbildung zum Blindenführhund angedacht. Hunde die diese Ausbildung durchlaufen, werden mit einem Jahr gründlich untersucht und nur mit ausgezeichneten Untersuchungsergebnissen zur Ausbildung zugelassen.

Leider konnte einer dieser Junghunde nicht ausgebildet werden, da bei ihm bei der Untersuchung eine Ellbogendysplasie festgestellt wurde. Obwohl beide Elterntiere untersucht waren, trat diese für Labradore typische Erkrankung auf. Das hat mich sehr nachdenklich gestimmt und dazu bewogen mich noch einmal intensiver mit dem Thema "Rassehundezucht" zu beschäftigen.
Sehr rasch wurde mir klar, dass die Rassehundezucht immer wieder rasch in eine genetische Sackgasse mit viel zu engem Genpool geführt hat. Das Ergebnis: Rassespezifische Erbkrankheiten haben sich manifestiert und treten gehäuft auf.

 

Mit einer befreundeten Blindenführhundetrainerin habe ich mich, bevor ich einen neuen Wurf geplant habe immer wieder über diese Thematik unterhalten. Diese Freundin meinte, dass sie sich nicht mehr gerne Labradore oder Golden Retriever für die Ausbildung hole, weil sie so viele dieser Hunde nach der Untersuchung wieder abgeben müsse.

Der Labradoodle sei mittlerweile für sie der Hund ihrer Wahl. Er sei intelligent, leichtführig, familienfreundlich und vergleichsweise gesund. Als Blindenführhund, aber auch als Familien- und Therapie- oder Assistenzhund würde er sich sehr gut eignen.

 

3.Sie schreiben auf Ihrer Seite, dass Sie abgewägt haben Labradoodle zu züchten. Worum ging es hierbei?

 

Rein optisch habe ich persönlich immer den Labrador favorisiert. Deshalb habe ich noch länger gezögert, eh ich mich endgültig für das Züchten von Labradoodles entschieden habe.
Die oben angeführten Argumente haben mich schließlich überzeugt.

Und mittlerweile zählt auch der Labradoodle zu meine Herzenshunden.

 

4.Wieso gerade der Labradoodle und nicht der Boxador oder der Australian Shepador?

 

Ich mußte tatsächlich länger über diese Frage nachdenken.

Es gibt ja mittlerweile ein sehr buntes Potpourri an Verpaarungen.

Mir persönlich gefallen einfach die positiven Wesenseigenschaften und die Intelligenz des Pudels sehr gut. Diese gepaart mit dem Charme und dem ausgeprägten "will to please" des Labradors ergeben Hunde mit faszinierenden Charaktereigenschaften. Sie lernen unglaublich schnell, sind anpassungsfähig, familien- und menschfreundlich im allgemeinen. Labradoodles werden mit wachsender Begeisterung als Blindenführhunde, Therapie- und Assistenzhunde einegesetzt. Die Tatsache, dass sie allergikerfreundlich sind, kommt dem natürlich sehr entgegen. Da ich selber beruflich im sozialen Bereich tätig bin, waren die angeführten Gründe für mich Argument genug, mich für das Züchten von Labradoodles zu entscheiden.

Ich bin allerdings auch offen dafür, Hunde einzukreuzen die generell vom Wesen und Aussehen zu meiner Idee passen. So kann ich mir auch vorstellen z. B. mit Aussiedoodles, Goldendoodles oder Flatdoodles zu züchten. Wie schon in meiner Website erwähnt, distanziere ich mich davon, gängigen Standarts gerecht werden zu wollen.
Zum Beispiel ist der Vater des E-Wurfes ein Aussiedoodle, die Mutter eine Labradoodle Hündin der F1 Generation. Beides Hunde mit einem wunderbaren Wesen.

Beim Züchten von Hybridhunden kommt es aber auch darauf an gut zu gucken, was "zusammengeht" und nicht völlig unsinnige bzw. unberechenbare Mischungen zu "kreieren". So z. B. Jagdhund + brachyzephale Rasse.

Auch was den Körperbau und die Körpergröße der zu verpaarenden Hunde angeht, will gut hingeschaut werden. Bei sehr unharmonischen Kreuzungen, darf schwerlich mit einem Hund mit einem harmonischen und gesunden Körperbau gerechnet werden.

 

5.Gab/Gibt es äußere Unterschiede innerhalb der Würfe der F1 bzw. F1b Generation?

 

Ja, die gibt es ganz eindeutig.

Beim Labradoodle F1 handelt es sich um dieVerpaarung eines Labradors mit einem Pudel. Das heißt der Anteil Labrador/Pudel beträgt jeweils 50%. Bei dieser Verpaarung darf man, was die Optik anbelangt auf jede Überraschung eingestellt sein. Es gibt Labradoodles der F1 Generation, die sehen eher aus wie verünglückte Labradore. Gelegentlich gibt es aber auch wieder F1 Labradoodles die optisch dem Pudel schon recht nahe kommen. Auch bei meinen erwachsenen Labradoodle F1 Hündinnen gibt es optisch, das heißt was die Fellstruktur betriff, deutliche Unterschiede.

Bei der F1b Generation handelt es sich um die Verpaarung eines Labradoodle F1 mit einem Großpudel. Bedingt dadurch, dass der Pudelanteil hier bei 75% liegt, kommen diese Hunde rein optisch dem Pudel näher und haben meist dichteres und lockigeres Fell mit kaum bzw. keiner Unterwolle.

 

6.Welche Unterschiede traten zwischen F1 und F1b Generation auf?

 

Leider kann ich hierzu noch keine eigenen Erfahrungen teilen. Wir hatten dieses Jahr um Frühjahr unseren ersten F1b Wurf.

Die Unterschiede hinsichtlich der äußeren Merkmale habe ich ja schon genannt.

 

7.Im Internet und Fachliteratur wird beschrieben, dass Nachkommen von Hybriden im Vergleich zu den Eltern an biologischer Fitness (Lebensdauer, Ausdauer, etc.) nachlassen. Konnten Sie derartiges an den F1b Welpen erkennen?

 

Da ich selber erst seit 2014 Labradoodles züchte, kann ich leider keine eigenen Erfahrungswerte weitergeben.

 

8.Sind Hybridhunde anfälliger als Rassehunde für bestimmte Erkrankungen?

 

Hier muss ich "Freundin Wikipedia" bemühen, weil ich den Effekt der Hybridhundezucht mit eigenen Worten nicht besser beschreiben könnte:

Der besondere Vorteil einer Hybride ist der Heterosis-Effekt, also eine überproportionale Erhöhung der Fitness (Krankheitsresistenz, Fruchtbarkeit) bei den Nachkommen, welche durch die genetische Durchmischung erzielt wird. Dieser Effekt selbst ist nicht erblich, sondern kommt durch die Hybridisierung zustande. Teilweise wird die Weiterzucht von Nachkommen einer Hybride ebenfalls als Hybride bezeichnet. Wird allerdings mit Hybridhunden weitergezüchtet, so sind die Würfe nicht mehr homogen, sondern zeigen eine sehr breite Variation im Phänotyp, die erst durch eine längere Selektion und Inzucht wieder stabilisiert werden kann.

 

9.Ist die Hybridzucht schwieriger als reinrassiges Züchten?

 

Die größte Herausforderung stellt für mich das finden eines geeigneten Deckrüden dar. Hier beschränkt sich die Suche auf Labradoodles, Goldendoodles, in Ausnahmen Aussiedoodles oder eben allen voran Großpudel.

Die Rüden sollten, was das Wesen und vor allem auch die Körpergröße anbelangt gut zu meinen Hündinnen passen.

Viele Pudel, aber auch Labradoodles sind sehr groß. Zuweilen haben sie 70cm Widerristhöhe. Sofern man bei der Auswahl der Rüden nicht gut hinsieht, schießen die Nachkommen größenmäßig irgendwann völlig über´s Ziel hinaus. Meine Idee ist es aber, dass die Hunde, wenngleich ich aktuell nur Standart Labradoodle züchte, doch im Rahmen bleiben.
Allerdings ist es sehr schwierig, Deckrüden zu finden die unter 62cm Widerristhöhe haben.

Die nächste Herausforderung ist es, gesunde d. h. untersuchte Rüden zu finden. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an Labradoodle oder Goldendoodle Besitzer, die ihren Hund "eben mal" zum Decken im Internet einstellen. Meist wurden aber für diese Hunde keinerlei Untersuchungen durchgeführt, was für mich ein definitives Ausschlusskriterium darstellt.

Die nächste Hürde ist die Tatsache, dass die meisten Pudelbesitzer ihre Deckrüden auch nur Pudelzüchtern zur Verfügung stellen. Für viele Pudelzüchter kommt es einem Hohn gleich, den Pudel mit einer anderen Hunderasse zu verpaaren.

Dann gilt es bei jeder Verpaarung sorgfältigst die Ahnentafeln zu studieren um enge Verwandschaften zu vermeiden. Das ist schwieriger als man denken möchte, da gerade der Großpudel in Deutschland sehr rar geworden ist und so die Verwandschaftsquote entsprechend höher wurde.

Es gibt im Internet eine Plattform, in welcher man nach geeigneten Rüden suchen kann.
Auf der Suche nach einem Labrador Deckrüden erzielt man Deutschlandweit knapp 200 Ergebnisse

Auf der Suche nach einem Pudel Deckrüden erzielt man rund 20 Ergebnisse, von welchen man nochmal rund 12 abziehen muss, da die Rüdenbesitzer ein Problem mit Labradoodle Züchtern haben. Von den verbleibenden 8 sind .... einige nicht untersucht, zu groß, passen vom Charakter nicht, oder.....

Was die Aufzucht der Welpen und den Verkauf derselben anbelangt, so besteht aus meiner Erfahrung kein Unterschied zur Zucht von reinrassigen Hunden.

 

10.Gibt es Kritiker die Ihnen gegenüber „offensiv“ handeln?

 

Es gibt Kritiker, aber wenige die offensiv agieren. Ich persönlich erfahre die meisten Vorbehalte aus den Reihen der Pudelbesitzer oder der VDH-Anhänger.

 

11.Wie viel Zeit beansprucht ein Wurf von der Planung bis zum Verkauf etwa?

 

Im Grunde bin ich mit der Planung eines Wurfes das ganze Jahr über beschäftigt.

Die Planung beginnt mit einer Vielzahl an Interessentenkontakten, die das ganze Jahr über stattfinden. Hierzu zählen Telefonate, e-mail Kontakte und gelegentlich persönliche Vorbesuche.

Ansonsten gehören zur Wurfplanung die Suche nach einem geeigneten Deckrüden. Die (meist lange) Fahrt zu diesem, oft verbunden mit mehreren Übernachtungen.

Ein Wurf, sobald er geboren ist, bedeutet mindestens acht Wochen lang eine "rund um die Uhr" Aufgabe.

Nach der Abgabe, folgen wiederum Kontakte mit den neuen Welpenbesitzern, die logischerweise mit jedem Wurf mehr werden.

 

12.Jede Rasse hat leicht andere Bedürfnisse/Ansprüche (Auslauf, Futter,etc.). Besitzen die Welpenhybride die eines Elternteils (Mutter/Vater, Labrador/Pudel), beider Eltern oder willkürlich gemischt?

 

Man kann sagen, dass sich die Charaktereigenschaften vermischen. Wobei es immer sein kann, dass ein Labradoodle F1 mehr Pudel- oder eben mehr Labradoreigenschaften hat. Deutlicher wird es beim Labradoodle F1b. Bedingt dadurch, dass dieser Hund 75% Pudelanteil trägt, sind natürlich die Pudeleigenschaften meist etwas dominanter.